Germany- Wenn ich mit den Papst treffen würde, würde ich ihm drei Dinge sagen

Germany- Wenn ich mit den Papst treffen würde, würde ich ihm drei Dinge sagen

Pressemitteilung www.SNAPnetwork.org

7. Juli 2014

1) Hören Sie auf  über die Krise der sexualisierten Gewalt zu reden, als ob es Vergangenheit wäre, und hören Sie mit den Verzögerungstaktiken Ihres Untersuchungskomitees auf (Sie wissen, was das Richtige zu tun wäre. Sie brauchen keinen „Bericht“). 

2) Fokus sollte zunächst auf der Prävention liegen (weil überlebende Erwachsenen haben Chancen sich selbst heilen, aber gefährdete Kinder können sich nicht selbst schützen), und

3) Gehen Sie konkrete Schritte an, um die Gefährdeten zu schützen, und zwar durch

  • Befehl an die Bischöfe einen „Informanten/Whistleblower-Fonds" einzurichten und zu finanzieren, um kirchliche Mitarbeitern zu belohnen, deren Taten zu Strafanzeigen oder Verurteilungen von aktuellen oder ehemaligen Täter-Geistlichen führen.
  • Befehl an die Bischöfe, die Namen, Fotos und Verbleib von erwiesenen, zugegebenen und glaubwürdig beschuldigten (Priester-) Tätern sexualisierter Gewalt (einschließlich Ordenspriester) auf Diözesan-und Pfarr Websites zu veröffentlichen (vgl. www.bishop-accountability.org/AtAGlance/lists.htm).
  • Die Forderung an Bischöfe Mitarbeiter, die strafrechtlich nicht belangt werden können zu entfernen und in unabhängig betriebenen Institutionen unterzubringen und zu überwachen, dass diese Täter-Kleriker von Kindern fern gehalten werden.
  • Eine Anweisung an Bischöfe nur ausgebildete und geprüfte säkulare Therapeuten (nicht Priester oder Nonnen) mit Betroffenen sexualisierter Gewalt begegnen zu lassen.
  • Eine Anweisung an Bischöfe bei Missbrauchsfällen, die z.B. aufgrund von Verjährungsfristen nicht durch die Strafverfolgungsbehörden verfolgt werden können, mit Ermittlungen (ehemalige) Polizisten (auf keinen Fall Priester) zu beauftragen.
  • Die Einberufung und die Finanzierung einer weltweiten Konferenz weltlicher Gesetzgeber, um die bisher oft willkürlichen und Täter-freundlichen weltlichen Gesetze (einschließlich der Verjährungsfrist) zu reformieren. Denn die bisherige Rechtslage verhindert oft, dass Opfer ihre Täter benennen, die ihre Taten sexualisierter Gewalt auf zivil- wie strafrechtlicher Ebene zu vertuschen wissen.
  • Einen dringenden, starken öffentlichen Appell an alle kirchlichen Mitarbeiter und Mitglieder, mit der Bitte alle Informationen und Vermutungen über flüchtige Täter-Priester den zivilen Strafverfolgungsbehörden zu melden, damit diese Kleriker strafrechtlich verfolgt und von Kindern fern gehalten werden können.
  • Einer Anweisung an Bischöfe sprachlich die sexualisierte Gewalt durch Geistliche zu minimieren („Es ist nur ein kleiner Prozentsatz der Priester“), von der Schuld abzulenken („Missbrauch passiert in anderen Einrichtungen“), Schlupflöcher der Ankläger zu suchen („Diese Vorwürfe sind von vor 25 Jahren“) , Kirchgänger zu besänftigten („Er wird nicht beschuldigt zu dieser Gemeinde jemanden belästigt zu haben."), beschuldigte Übeltäter zu loben („Er ist ein sehr beliebter Priester") oder bei den Opfer Schuldgefühle zu wecken („Er arbeitete unermüdlich, um den Armen zu helfen").
  • Die Übergabe aller Akten der römischen Kongregation für die Glaubenslehre (ehemals Inquisition) über Täter-Priester an die Strafverfolgungsbehörden in den Ländern, in denen die mutmaßlichen Verbrechen stattgefunden haben. Einer Anweisung an die Vorsteher jeder Diözese und jedes Ordens ebenfalls genau so mit ihren Akten zu Fällen sexualisierter Gewalt umzugehen.
  • Einer Anweisung an Bischöfe diözesanweit zwei Arten Trainings anzubieten: für Kinder und Erwachsene zur Gewaltprävention und für Erwachsene (Gemeindemitglieder und Mitarbeiter) zur Berichterstattung bzw. Anzeige solcher Gewaltverbrechen.
  • Die Verpflichtung in kirchlichen Gremien darüber zu informieren, wie angemessen auf Missbrauchsfälle zu reagieren ist, damit die Opfer, Zeugen und Hinweisgeber nicht das Gefühl, eingeschüchtert oder hoffnungslos zu werden

(siehe SNAP-Broschüre „Was tun, wenn Ihr Priester sexualisierter Gewalt beschuldigt wird“)

  • Einer Anweisung an Bischöfe, dass beschuldigte Priester sofort ihre Pässe abgeben müssen, wenn Anschuldigungen sexualisierter Gewalt auftauchen (damit die Täter nicht ins Ausland fliehen können).

 

Und ich würde „Namen nennen“, um dem Papst zu sagen, wo er sofort eingreifen sollte:

  • Die Degradierung und Verurteilung von mindestens einem Dutzend Bischöfe, die komplizenhaft Täter-Priester schützen. Darunter ist Bischof Robert Finn von Kansas City (Missouri, USA) der einzige Bischof weltweit, der strafrechtlich verurteilt wurde für die Verweigerung Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt an Kindern zu melden (indem er Hunderte von explizit sexuell anzügliche Fotos von jungen Mädchen, fotografiert von Pfarrer Shawn Ratigan behielt).
  •  Die Entmutigung aktueller und zukünftiger Verschleierung von sexualisierter Gewalt durch die deutliche und öffentliche Bestrafung von kirchlichen Würdenträgern (wie Kardinal Roger Mahony und andere), die oder Kinder-Sex-Verbrechen versuchten zu verheimlichen.
  • Beendigung der Zurückweisung von säkularen Ermittlungsbeamten der Strafverfolgungsbehörden Polens und der Dominikanischen Republik, um  Erzbischof Jozef Wesolowski zu verhaften und anzuklagen (Dem Kleriker wird glaubhaft Kindesmissbrauch vorgeworfen), anstatt katholische Beamte anderen katholische Beamte untersuchen zu lassen.

Schließlich würde ich Papst Franziskus sagen, dass es nur ein relevantes Kriterium zu Fragen und Überlegungen von Aktion zu sexualisierter Gewalt gibt: „Wird dieser Schritt tatsächlich Kinder schützen durch die Bloßstellung und Bestrafung von Geistlichen, die gewalttätige Sexualverbrechen an Kindern begangen oder verheimlicht haben?“

Wenn die Antwort nein ist, dann spielt es keine Rolle, ob es mehr oder weniger ist als andere Verantwortliche oder Institutionen getan haben oder tun. Es spielt keine Rolle,  ob es viele große Schlagzeilen erzeugt. Es spielt eigentlich keine Rolle, ob sich Erwachsene ein wenig besser fühlen. Wenn eine Maßnahme  sexualisierte Gewalt, Vergewaltigungen und Missbrauch an Kindern nicht verhindert, ist es wahrscheinlich sinnlos oder fast bedeutungslos.

Hintergrund:

SNAP (Survivors Network of those Abused by Priests) ist das Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester. SNAP ist die größte und aktivste Unterstützungsgruppe von Menschen, die von religiösen Autoritätsfiguren (Priestern, Bischöfen, Diakonen, Nonnen und anderen) verletzt wurden. SNAP ist unabhängig und ist nicht mit der Kirche oder Kirchenautoritäten verbunden. SNAP ist für die Opfer eine Selbsthilfegruppe um einander zu heilen und zu helfen: www.SNAPnetwork.org.

SNAP fordert die Kirchenleitung seit Jahrzehnten auf, konkrete starke Schritte zu unternehmen, um Kinder besser zu schützen. Der Schutz von Kindern muss oberste Priorität haben Diese Schritte umfassen: suspendierte Täter-Priester sollten in abgelegenen, sicheren Therapie-Einrichtungen untergebracht werden. Die Namen, Fotos und den Verbleib von verurteilten, erwiesenen, zugegebenen und glaubwürdig beschuldigten Täter-Priestern sollten auf einer Website veröffentlicht werden.

Alle Bischöfe werden nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten gemessen und sollten daher schleunigst entsprechend wirksame Reformen umsetzen.

Nach den Erfahrungen von SNAP kann sich keine Institution effektiv selbst kontrollieren oder reformieren, vor allem nicht eine alte, starre, geheimnisvolle, ausschließlich männliche Monarchie,  wie die katholische Hierarchie mit ihrer tief verwurzelten und langjährige Praxis der Verheimlichung von Sexualverbrechen durch Geistliche. SNAP  hält es für entscheidend, dass die staatlichen Behörden unverzüglich mit gründlichen  Untersuchungen in den laufenden Missbrauchsskandal der Kirche beginnen, so dass die Wahrheit enthüllt werden kann, die Täter diszipliniert, die Opfer geheilt und die gefährdeten geschützt werden.

KONTAKT:

Interview-Anfragen: SNAPdeutschland@gmail.com

Wilfried Fesselmann, Sprecher SNAP-Deutschland (NRW): +49 (0)157 3577 9127 und +49 (0)209-93822905 (Deutsch, Englisch)

David Clohessy, SNAP-Director, +1 314 566 9790, SNAPclohessy@aol.com (Englisch)

 

 

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